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Automotive Rechtstipps von ETL Kanzlei Voigt #13

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Automotive Rechtstipps Abmahnindustrie

Der ETL Kanzlei Voigt-Newsletter:

An dieser Stelle informieren wir nun regelmäßig über aktuelle Rechtssprechungen im Automobilbereich.

Erst kracht`s, dann kommt der Krach - Was sind die richtigen Stundenverrechnungssätze?

Zum Urteil des Amtsgerichts (AG) München vom 10.08.2018 - Az.: 342 C 23638/17

Der Streit um angemessene Stundenverrechnungssätze zählt zu den Klassikern im Unfallschadengeschäft. In dem hier zugrundeliegenden Fall hatte das AG München zu klären, in welcher Höhe fiktiv geltend gemachte Reparaturkosten nach einem Verkehrsunfall erstattungsfähig sind.

Was war passiert?

Das Fahrzeug des Geschädigten war bei einem Verkehrsunfall beschädigt worden und die Einstandspflicht des Versicherers war dem Grunde nach unstrittig. Allerdings war die Angemessenheit der vom Geschädigten auf der Grundlage eines Sachverständigengutachtens fiktiv, d.h. ohne Vornahme einer Reparatur und Vorlage einer entsprechenden Werkstattrechnung, geltend gemachten Reparaturkosten in Höhe von 4.029,12 Euro strittig. Der Haftpflichtversicherer beanstandete die Höhe der Reparaturkosten und zahlte 2.968,07 Euro. Dabei verwies er auf die geringeren Stundenlöhne (sogenannte Stundenverrechnungssätze) einer Referenzwerkstatt.

Anspruch auf mittlere Stundenverrechnungssätze?

Der Geschädigte war damit nicht einverstanden und verklagte den Haftpflichtversicherer. Dabei verlangte er - neben anderen Schadenspositionen - den Ausgleich der Differenz in Höhe von 1.061,05 Euro. Er begründete dies damit, dass das von ihm vorgelegte Gutachten mit den mittleren durchschnittlichen Stundenverrechnungssätzen für nicht markengebundene Fachwerkstätten kalkuliere, die ein Gerichtssachverständiger für den Großraum München in einem Gerichtsgutachten ermittelt habe. Auch die berechneten Aufschläge auf die Ersatzteilpreise (UPE-Aufschläge) und Verbringungskosten für die Fahrzeugverbringung zum Lackierer seien als orts- und branchenübliche Kosten voll erstattungsfähig.

Die Reparaturkosten seien damit in der geltend gemachten Höhe sowohl erforderlich als auch angemessen.

Ist ein Verweis auf eine günstigere Werkstatt bindend?

Der Versicherer beantragte Klageabweisung. Zur Begründung führte er an, die berechneten Stundenverrechnungssätze seien zu hoch. Der Geschädigte sei auf die niedrigeren Stundenverrechnungssätze der benannten Referenzwerkstatt zu verweisen, da diese gleichwertig mit einer markengebundenen Fachwerkstatt des Fahrzeugherstellers sei. Im Übrigen würde die benannte Werkstatt weder UPE-Aufschläge noch Verbringungskosten berechnen. Der Geschädigte habe keinen Anspruch auf weitere Zahlungen.

Das AG München akzeptiert mittlere Stundenverrechnungssätze

Das sah das AG München anders und sprach dem Geschädigten zum Ausgleich der Reparaturkosten weitere 906,37 Euro zu. Das Gericht hielt den vom Versicherer vorgenommenen Verweis auf die günstigeren Verrechnungssätze der Referenzwerkstatt für unzulässig. Es begründete seine Ansicht damit, dass die Stundensätze in dem vom Geschädigten vorgelegten Gutachten den im Großraum München ortsüblichen mittleren Sätzen nicht markengebundener Fachwerkstätten entsprächen. Diese seien dem Gericht bekannt, das sie ein Gerichtssachverständiger bereits in einem anderen Verfahren ermittelt habe. Dabei sei auch dargelegt worden, dass die Berechnung von UPE-Aufschlägen und Verbringungskosten für den Großraum München üblich sei. Auch diese Kosten seien daher erstattungsfähig.

Der von der Klageforderung in Abzug gebrachte Betrag betraf Arbeiten, die zur Beseitigung der Unfallschäden nicht zwingend erforderlich waren.

Kanzlei Voigt Praxistipp

Es ist keine Seltenheit, dass Haftpflichtversicherer geltend gemachte Reparaturkosten unter Verweis auf günstigere Referenzwerkstätten kürzen. Ob die Kürzungen im Einzelfall gerechtfertigt sind, hängt von verschiedenen Faktoren, wie z.B. Fahrzeugalter oder der Entfernung des Referenzbetriebs, ab.

Damit Sie die Ihnen zustehenden Schadensersatzansprüche in voller Höhe erhalten, empfehlen wir frühzeitig  anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nur so stellen Sie Waffengleichheit mit dem Haftpflichtversicherer des Unfallgegners her und die Regulierungsverhandlungen laufen auf Augenhöhe ab.

Autor(en)


Rechtsanwalt
Kanzlei Voigt, Dortmund


Rechtsanwalt
Kanzlei Voigt, Dortmund

Quelle: Newsletter ETL Kanzlei Voigt (Veröffentlichungsdatum: 25.10.2018)

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Die Kanzlei Voigt ist seit 40 Jahren auf das Auto- und Verkehrsrecht spezialisiert. Sie ist bundes­weit an über 25 Standorten mit über 80 Anwälten aktiv. Die Kernkompetenzen umfas­sen die Verteidigung bei Bußgeld-, Verkehrsstraf- und Führer­scheinsachen, ebenso wie die Interessenswahrnehmung bei Unfällen mit Blech- oder Personenschaden. Sämtliche Fragen „rund um die Werkstatt und den Kfz-Betrieb“, wie z.B. bei Themen des Arbeitsrechts, Kaufrechts, der Sachmängelhaftung, bei Fragen zum Leasing- oder Werkvertragsrecht werden ebenfalls umfassend abgedeckt. Der Kfz-Betrieb erhält damit Unterstützung in allen Fragen und Themen, die ihm im Geschäftsalltag mit Versicherern, Kunden, Mitarbeitern oder Lieferanten begegnen können. Mitarbeiterschulungen vor Ort durch unsere spezialisierten Fachanwälte für Verkehrsrecht  gehören ebenso ins Leistungsportfolio. Der Einsatz modernster Kommunikations- und Arbeitsmittel, die stetige Weiterbildung der über 250 Mitarbeiter, eine standortübergreifende Vernetzung und ein eigenes, zentrales Wissensmanagement, stellen nicht nur die Aktualität, sondern auch die umgehende Reaktionsfähigkeit an allen Standorten sicher. Als Teil der ETL-Gruppe bietet die Kanzlei Voigt ihren Kunden - auch in anderen Bereichen -  eine lückenlose Rundum-Betreuung an. Die Kanzlei ist Montag bis Freitag, durchgängig von 08:00-18:00 Uhr, deutschlandweit erreichbar.

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